Schriftstellen und Schriftstellerei als passionierte Profession
Eine kleine kulturwissenschaftlich-theologische Reflexion über das Lesen
DOI:
https://doi.org/10.25788/vidbor.v10i1.1635Schlagworte:
Lesen, Schriftstellerei, Autorschaft, leserorientierte Literaturtheorie, Rezeptionsästhetik, Auslegungsgemeinschaften, biblische Hermeneutik, Übersetzung, Kanon, Bernhard LangAbstract
A Brief Cultural and Theological Reflection on Reading
ZUSAMMENFASSUNG
Ausgehend von Bernhard Langs Bestimmung der Theologie als einer Wissenschaft, die sich regelmäßig in Büchern niederschlägt, reflektiert der essayistische Beitrag das Lesen als kulturelle, intellektuelle und theologische Praxis. Etymologische Beobachtungen erschließen Lesen als Sammeln, Auswählen, Wiedererkennen, Rezitieren, Zählen und Ratsuche. Ein historischer Überblick verfolgt das Verhältnis von mündlicher Darbietung, Mnemotechnik, öffentlichem Vorlesen, stiller Lektüre und gegenwärtigen audiovisuellen Medien. Anschließend werden leserorientierte Modelle bei Wolfgang Iser, Gérard Genette, Umberto Eco, Stanley Fish und Marcus Willand diskutiert. Sinn entsteht demnach weder allein aus der Autorintention noch ausschließlich im Text, sondern im Zusammenspiel von Texten, Lesenden, kulturellen Wissensbeständen und Auslegungsgemeinschaften. Lesen und Schreiben greifen deshalb ineinander; Autorschaft wird selbst zu einer Form produktiver Rezeption. Der letzte Teil bezieht diese Überlegungen auf die Bibelauslegung und auf Langs Arbeiten zur Vulgata, zur Übersetzung, zu Weisheitstraditionen und zum jüdisch-christlichen Dialog. Übersetzung, Kanonbildung und exegetische Methode rahmen jede Lektüre, eröffnen aber zugleich neue Sinnmöglichkeiten. Für Theologinnen und Theologen können Lesen und Schreiben daher als Glaubensvollzüge verstanden werden, die ihre geschichtlichen Grenzen anerkennen und unter eschatologischem Vorbehalt stehen.
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