„Der Frevler umstellt den Gerechten“ (Hab 1,4)

Theodizee und menschliche Friedenserwartung

Autor/innen

DOI:

https://doi.org/10.25788/vidbor.v10i1.1615

Schlagworte:

Hieronymus, Habakuk, Jesaja 32, Theodizee, Gerechtigkeit, Frieden, Schweigen, Fall Roms, Bibelauslegung, Mönchtum

Abstract

Der Beitrag untersucht Hieronymus’ Reaktionen auf Unrecht und Krieg anhand seiner Auslegung des Habakukbuches, des Falls Roms und von Jes 32,17. Der Habakukkommentar deutet den Protest des Propheten als Frage der Theodizee und wahrt die gedankliche Einheit des biblischen Buches: Gott lässt unterdrückerische Mächte als Anruf zur Umkehr gewähren, richtet sie aber zuletzt. Hieronymus verbindet seine Reaktion auf die Plünderung Roms mit Trauer, Schweigen, Schriftlektüre und klassischer Literatur. Rom erscheint in den Bildern Babylons, Jerusalems und Trojas; zugleich wird die monastische Ruhe zum Maßstab für die Bewertung der Stadt. Der letzte Teil analysiert opus iustitiae pax und die Deutung von cultus iustitiae silentium. Schweigen bezeichnet keine Passivität, sondern das gläubige Warten auf die göttliche Gerechtigkeit. Vorbild ist das menschgewordene Wort, dessen Schweigen dem Lärm von Gewalt und Unrecht gegenübersteht. Der Vergleich mit Eusebius und Kyrill von Alexandrien ordnet diese Lesart in die griechische Auslegungstradition ein. Für Hieronymus erwächst Frieden aus Gerechtigkeit; der Gerechte begegnet dem Unrecht mit vertrauendem Schweigen und verzichtet auf Vergeltung.

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Veröffentlicht

2026-11-07

Zitationsvorschlag

1.
Mantelli S. „Der Frevler umstellt den Gerechten“ (Hab 1,4): Theodizee und menschliche Friedenserwartung. VIDBOR [Internet]. 7. November 2026 [zitiert 8. November 2026];10(1):123-35. Verfügbar unter: https://vulgata-dialog.ch/ojs/index.php/vidbor/article/view/1615

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