Unicus und Unigenitus in der lateinischen Bibel
Nizäa und die Übersetzung von monogenes
DOI:
https://doi.org/10.25788/vidbor.v10i1.1614Schlagworte:
monogenes, unicus, unigenitus, Vetus Latina, Vulgata, Hieronymus, Tertullian, Bekenntnis von Nizäa, JohannesschriftenAbstract
Die lateinische Wiedergabe des griechischen monogenes ist zu einem Prüfstein in der Diskussion über den Einfluss dogmatischer Voraussetzungen auf Bibelübersetzungen geworden. Während viele moderne Übersetzungen „einzig“ oder „einzigartig“ bevorzugen, steht in der Vulgata in den johanneischen Aussagen über Christus regelmäßig unigenitus. Diese Wortwahl wird bisweilen mit dem antiarianischen Klima des vierten Jahrhunderts in Verbindung gebracht. Der vorliegende Beitrag überprüft diese Erklärung anhand des Bedeutungsspektrums von monogenes, der altlateinischen Überlieferung, des vornizänischen Sprachgebrauchs sowie der Verteilung von unicus und unigenitus in der lateinischen Bibel. Die Befunde stützen keine einfache Rekonstruktion, wonach Hieronymus ein neutrales unicus durch eine dogmatisch geprägte Neuerung ersetzt habe. Altlateinische Zeugen bieten bereits beide Wiedergaben, und Tertullian verwendet sowohl unicus als auch unigenitus in johanneischen Zusammenhängen mehr als ein Jahrhundert vor Nizäa. Darüber hinaus bezeichnet unigenitus in der Vulgata auch Menschen, die das einzige Kind ihrer Eltern sind, während nicht jedes Vorkommen von monogenes mit diesem Wort wiedergegeben wird. Das Bekenntnis von Nizäa konnte die mit der Zeugung verbundenen Konnotationen von unigenitus verstärken; es erklärt jedoch weder die Entstehung des lateinischen Terminus noch dessen biblische Verteilung hinreichend.
Downloads
Veröffentlicht
Zitationsvorschlag
Ausgabe
Rubrik
Lizenz
Copyright (c) 2026 Wilhelm Tauwinkl

Dieses Werk steht unter der Lizenz Creative Commons Namensnennung 4.0 International.