Sebastian Castellios lateinische Übersetzung des Alten Testaments
Ijob 40–41 als Fallstudie
DOI:
https://doi.org/10.25788/vidbor.v10i1.1619Schlagworte:
Sebastian Castellio, Buch Ijob, lateinische Bibel, Vulgata, humanistische Übersetzung, Neulatein, Bibelexegese, Behemot, Leviatan, HieronymusAbstract
Der Beitrag untersucht Sebastian Castellios lateinische Übersetzung von Ijob 40–41 als Fallstudie zur humanistischen Bibelphilologie des 16. Jahrhunderts. Nach einer Einordnung Castellios und der Publikationsgeschichte seiner lateinischen Bibel wird seine Fassung mit dem masoretischen Text und der Vulgata des Hieronymus verglichen. Die Analyse zeigt eine konsequente Bevorzugung klassischer Idiomatik gegenüber hebraisierender Wörtlichkeit: hypotaktische Syntax, idiomatische Wendungen, poetischer und technischer Wortschatz, griechische Lehnwörter sowie bewusste Variation. Durch Alliteration, Hyperbaton, Polyptoton, Paronomasie und sorgfältige Wortstellung verstärkt Castellio zudem den literarischen Charakter des Textes. Obwohl er direkte Anklänge an die Vulgata häufig vermeidet, lassen mehrere lexikalische Entscheidungen erkennen, dass Hieronymus ein wichtiger Bezugspunkt blieb. Zugleich korrigiert Castellio die Vulgata dort, wo sie ihm vom Hebräischen abzuweichen scheint, und greift auf zeitgenössische Exegese zurück, besonders bei der Deutung Behemots als Elefant und Leviathans als Wal. Diese Entscheidungen stützen seine historische Auffassung des Ijobbuches und verbinden philologische Eigenständigkeit, exegetische Tradition und das humanistische Ideal eines eleganten Lateins.
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