Canes Domini sumus
Zur Arbeit des Exegeten bei Rupert von Deutz
DOI:
https://doi.org/10.25788/vidbor.v10i1.1617Schlagworte:
Rupert von Deutz, mittelalterliche Exegese, Micha, Metapher, Jagdhunde, patristische Tradition, Hieronymus, CassiodorAbstract
Der Beitrag untersucht eine Jagdmetapher in Ruperts von Deutz Kommentar zu Mi 2,4–5 und fragt, wie sie die Arbeit des christlichen Exegeten bestimmt. Rupert vergleicht die Ausleger mit Jagdhunden des Herrn, den wahren Sinn der Schrift mit der Beute und die Schrift selbst mit einem dichten Wald. Die Untersuchung ordnet diese Bildsprache in Ruperts benediktinischen Kontext, die Schwierigkeit der Micha-Stelle und die mittelalterliche Auslegung anhand patristischer Autoritäten, besonders des Hieronymus, ein. Quellenkritisch wird die Wahrheitssuche mit Clemens von Alexandrien und Xenophon verbunden; die positive Symbolik des Hundes wird über Cassiodor und Gregor den Großen erschlossen. Ruperts eigenständiger Beitrag liegt in der Verbindung zweier überlieferter Motive: der Jagd als mühevoller Suche nach Wahrheit und des Hundes als Bild des Predigers, der die Kirche schützt und erbaut. Die Metapher beschreibt Exegese daher als beharrliche, anspruchsvolle und pastorale Arbeit. Der erfolgreiche Ausleger verfolgt den schwer fassbaren Sinn durch die Schwierigkeiten des Textes, freut sich vor dem Herrn, wenn er ihn erfasst, und bringt eine Deutung zurück, die den Leser nährt und erfreut.
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